Dissertationsprojekte

(alphabetisch nach Bearbeiter/in gereiht)

    

Islamkritik – Islamreform? Muslimische Stimmen im deutschsprachigen Islamdiskurs (Arbeitstitel)

Doktorand: Benedikt Erb, M.A.

Betreuer: Prof. Dr. Christoph Bochinger

Kurzbeschreibung: Im deutschsprachigen Islamdiskurs hat sich unter dem Label der Islamkritik ein Sprechen über den Islam verselbstständigt, in dem muslimische Stimmen häufig die Rolle von Kronzeugen zukommt. Mit dem emischen Begriffspaar „Isalmkritik – Islamreform“ möchte das geplante Dissertationsprojekt ein Spannungsfeld aufmachen, in dem muslimische oder als muslimisch markierte Stimmen eine agency haben und im Sinne eines Foucaultschen Dispositivbegriffs Antworten auf eine urgence, also einen diskursiven Notstand anbieten. Diese Positionen inhaltlich und hinsichtlich (nicht-)religiöser Selbstverortungen zu systematisieren, ist ein Anliegen des Projekts. Desweiteren sollen aber auch Prozesse der Verorganisierung und Professionalisierung sowie im Kontext religionspolitischer Aushandlungsprozesse artikulierte Repräsentationsansprüche untersucht werden. Im Hintergrund steht dabei nicht zuletzt die Frage, mit welchen Metaphern islamreformerische Prozesse im deutschsprachigen Islamdiskurs sinnvoll zu beschreiben sind; Vorschläge wie Michael Blumes „stiller Rückzug“ gilt es dabei ebenso zu prüfen wie das in islamkritischen Schriftgut verbreitete Paradigma einer „Säkularisierung des Islams“.

    

Hindu Temple Ritual Worship in Durban, South Africa

Doktorandin: Tina Ziva Kopecka

Betreuer: Prof. Dr. Ulrich Berner

Kurzbeschreibung: The project explores a specific religious identity by investigating sources and dynamics of contemporary public Hindu ritual practices in the city of Durban, South Africa. The research focuses on Amman worship with special emphasis on the fire-walking festival and Murugan worship and, in particular, its Kavady rituals, as annually practiced at and mediated by the temples in Durban. Empirical research analyses the way in which rituals develop within the context of post-colonial and multireligious society, how these rituals are negotiated, appropriated and framed and how they are experienced, remembered and narrated – in other words, how they continue and process the local Hindu tradition by creating the various spaces – physical as well as social and symbolic – where their prestige and legal authority, just like South African Hindu identity, is located, displayed and confronted. The project aims to contribute to the documentation of the reconstitution of a particular culture – i.e. religious identity in a rapidly changing and multicultural South African environment – while enquiring into the possibilities of linking cognitive and practical theoretical approaches that account for religious and ritual innovation.

    

Der Türkendiskurs in Toleranzdebatten der Frühen Neuzeit (Arbeitstitel)

Doktorandin: Ines Sonntag, M.A.

Betreuer: Prof. Dr. Christoph Bochinger, Prof. Dr. Susanne Lachenicht

Kurzbeschreibung: Im 16. und 17. Jahrhundert gab es zahlreiche Schriften, die sich der Frage widmeten, wie mit den verschiedenen Christentümern umzugehen sei, die im Zuge der Reformation und Konfessionalisierung an die Oberfläche gespült wurden. Innerhalb dieses Diskurses wurde immer wieder Bezug auf die 'Türken' genommen, die bis nach Wien vorgedrungen waren und eine reale militärische Bedrohung darstellten. Das Dissertationsprojekt widmet sich der Frage, wie im Rahmen konfessioneller Auseinandersetzung auf die 'Türken' Bezug genommen wurde und welchen Einfluss das Reden über den 'Türken' auf die Toleranzbegründungen der Zeit hatte. Welche Funktionen erfüllten die einzelnen Narrative (vom Antichrist bis zum Vorbild) in einem inner-christlichen Toleranzdiskurs? Und inwieweit half der 'Türke' gar bei der Lösung innenpolitischer Konflikte?

     

Gegenwärtige Theosophie in Deutschland (Arbeitstitel)

Doktorand: Christian Uhrig, M.A.

Betreuer: Prof. Dr. Christoph Bochinger

Kurzbeschreibung: Die Arbeit soll sich mit der gegenwärtigen Situation der Theosophie in Deutschland beschäftigen. Ein Ausgangspunkt des Interesses ist die Beobachtung, dass die gegenwärtige Theosophie in Deutschland unter anderem als "untergehende Religion" beschrieben wird. Da kaum wissenschaftliche Literatur zur gegenwärtigen Theosophie in Deutschland existiert, ist es, neben der Exploration, ein Ziel der Arbeit danach zu fragen, ob tatsächlich von einer untergehenden Religion gesprochen werden kann oder ob hier gegebenenfalls differenziert werden müsste. Weltweit geht man von einer Zahl von einigen 10.000 Anhängern der Theosophie aus, wobei die Schwerpunkte der theosophischen Anhängerschaft im angelsächsischen Raum und Indien festgemacht werden. Für die Theosophische Gesellschaft (TG) Adyar nennt Stefan Rademacher in Deutschland die Zahl von 150-160 Mitgliedern im Jahr 2001. Daneben existiert eine breite Anzahl von kleineren theosophischen Zusammenschlüssen, deren Zahl aber selten über 50 Anhänger reicht. Die Arbeit soll darstellen, wie sich gegenwärtige Theosophie in Deutschland ausprägt und welche Gruppen und Initiativen existieren. Ein weiterer Schritt ist der Gang ins Feld und eine Untersuchung der gegenwärtigen theosophischen Ritualpraxis, Medien der Kommunikation und Vergemeinschaftungsformen.

     

Kızılbaş-Aleviten im osmanischen Staat zwischen Verfolgung und Integration (Arbeitstitel)

Doktorand: Benjamin Weineck, M.A.               

Betreuerin: Prof. Dr. Paula Schrode

Kurzbeschreibung: Das Projekt zielt darauf, der vielfach auf Unterdrückung und Verfolgung fokussierten Geschichte des Alevitentums eine Perspektive auf integrierende und akkommodierende Aspekte an die Seite zu stellen. Der Aspekt der Marginalisierung von Aleviten in der heutigen Türkei ebenso wie die Verfolgung der Kızılbaş als „heterodoxe“ im sunnitischen Osmanischen Reich ist konstitutiv für gegenwärtige alevitische Identitäten und entsprechend präsent in der religionshistorischen wissenschaftlichen Literatur wie auch im Schrifttum alevitischer Hobby-Forscher (araşırmacı yazar). Auf der Basis v.a. lokalgeschichtlicher Quellentexte aus dem späteren Osmanischen Reich (Kadiamtsregister, Petitionsregister u.a.) unternimmt dieses Projekt den Versuch, zum einen Interaktionsfelder zwischen Aleviten und der osmanischen Staatlichkeit zu identifizieren, die jenseits von Verfolgung Hinweise auf Integration und Akkommodation dieser Bevölkerungsteile geben. Zum anderen soll auch analysiert werden, in wie fern die Modernisierungsbestrebungen des 19. Jahrhunderts einen Wandel dieses Verhältnisses zeitigten. Jenseits paradigmatischer Vorstellungen von ‚sunnitischem Staat‘ und der Disziplinierung seiner ‚heterodoxen Untertanen’ können über einen solch lokalgeschichtlichen Zugriff unterschiedliche Facetten des Verhältnisses heterogener alevitischer Gruppen und der osmanischen Staatlichkeit sichtbar gemacht und im Kontext sich wandelnder Vorstellungen von Bevölkerung, Zugehörigkeit und religiöser Devianz analysiert werden.

Universität Bayreuth -