Nachwuchsforschergruppe "Islamische Gegenwartskulturen" an der Universität Bayreuth zum Thema:

Schiiten und schiitische Religiosität in Deutschland

Die Nachwuchsforschergruppe soll sich dem bisher kaum erforschten Phänomen schiitischer Religiosität in Deutschland widmen. Methodisch aufbauend auf Forschungen zu marginalisierten religiösen Gruppen islamischer Tradition im transnationalen Kontext soll auf der Grundlage einer Bestandsaufnahme schiitischer Akteure, Organisationen und ‚Ritualgemeinschaften‘ untersucht werden, in welchem Maße und mit welcher Spezifik schiitische Diskurse und Praktiken in Deutschland nachzuweisen sind. Gefragt wird insbesondere nach ihrer internen Diversität einerseits wie auch nach ihrer Einbindung in transnationale Netzwerke zwischen anderen europäischen Diasporagemeinden sowie Herkunftsländern andererseits. Von besonderer Relevanz ist darüber hinaus, welche Rolle ‚Schiitentum‘ und schiitische Identitätskonstruktionen im ‚gesamtislamischen‘ deutschen Feld sowie auch im Rahmen der staatlichen Institutionalisierung von ‚Islam‘ in Deutschland spielen.

Teilprojekt der Nachwuchsforschergruppe: Institutionalisierung schiitischer Religiösität: Akteure, Medien, Diskurse

Schiitische Religiösität in Deutschland ist bisher kaum untersucht worden. Obgleich schiitische Einrichtungen wie das Islamische Zentrum Hamburg und deren Publikationsorgan „Die Morgendämmerung“ (al-Fadschr) keineswegs neueren Ursprungs sind, so sind explizit schiitische Vereinigungen und Akteure gesellschaftspolitisch wie auch in der wissenschaftlichen Literatur weniger sichtbar als beispielsweise Sunniten oder Aleviten. Erst jüngst wurde eine Juniorprofessur in Münster mit dezidiert schiitischer Ausrichtung eingerichtet.

Zeitgleich zu diesen Entwicklungen formierte sich in der weniger institutionalisierten, aber nicht weniger öffentlichen Sphäre vor allem in verschiedenen sozialen Medien eine Debatte um so genannte „Softschiiten“ – Schiiten also, die sich nicht öffentlich zu ihrer Religion bekennen und auch in nicht lebensbedrohlichen Kontexten taqiye („Vorsicht“) walten lassen.

Dieses Teilprojekt der Nachwuchsgruppe untersucht auf der Basis unterschiedlicher Medien aus dem deutsch-schiitischen Feld (die Zeitschrift al-Fadschr sowie verschiedene soziale Medien und Internetforen) beispielhaft, wie schiitische Religiösität in Deutschland und Europa artikuliert wird und wie dabei auch Fragen von Quietismus, politischer Partizipation und öffentlich sichtbarer schiitischer Religiösität zwischen den unterschiedlichen Akteuren verhandelt werden.

Leiter der Nachwuchsforschergruppe: PD Dr. Robert Langer

Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Benjamin Weineck, M.A.

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