Individualsynkretismus - Konstellationen und biographischer Wandel 'individualisierter' Religiosität

 

Projektleitung

Dr. Stefan Kurth

Projektbeschreibung

Religiosität hat sich unter den Bedingungen spätmoderner Gesellschaften auf weiter Ebene verändert. Ihre Zurückdrängung in die Privatsphäre ist nur ein Aspekt dieser Veränderung. Viel grundlegender tragen die hochgradige Pluralisierung und marktförmige Organisation des religiösen Angebots sowie die strukturelle Individualisierung von Lebenslagen dazu bei, dass große Teile der Bevölkerung einen Umgang mit Religion pflegen, wie er vor ein, zwei Generationen noch weithin undenkbar gewesen wäre. Sie bestimmen ihr Verhältnis zu Religion/en im Erwachsenenalter in hohem Maße selbst. Wenn sie sich überhaupt für Religion interessieren, steuern sie ihre Beschäftigung mit Religion ausgehend von ihren subjektiven Interessen und Bedürfnissen. Im Verlauf ihrer Biographie kann es wiederholt zu Veränderungen der religiösen Orientierung kommen; ebenso können gleichzeitig mehrere religiöse Bezüge gepflegt werden.

Gegenstand der empirischen Untersuchung sind Konstellationen und Wandlungsprozesse spätmoderner, individuell-synkretistischer Religiosität. Sie sollen auf der Grundlage biographisch-themenzentrierter Interviews mit Hilfe eines religionswissenschaftlichen Begriffsinstrumentariums beschrieben und in ihrem sozialen und biographischen Kontext erklärt werden. Ein besonderes Interesse besteht an der Sinnintegration und Legitimation individueller Synkretismen, an der sozialen Verankerung solch 'individualisierter' Religiosität sowie an ihrer Funktionalität bzw. subjektiven Relevanz in der Lebenspraxis.

Als allgemeinstes Ziel soll die Arbeit aufweisen, dass Religiosität wesentlich zum Gegenstand einer sich kulturwissenschaftlich verstehenden Religionswissenschaft gehört, und es sollen Möglichkeiten entwickelt werden, wie man sich diesem Gegenstand theoretisch und empirisch nähern kann. Im spezifischen Sinne verfolgt die Arbeit das Ziel, einen Beitrag zur religionswissenschaftlichen Erforschung der religiösen Gegenwartskultur zu leisten, der sich durch seinen Fokus auf 'gewöhnliche' religiöse Individuen, ihre Lebenspraxis und Lebenswelt auszeichnet. In dieser Perspektive wird eine wichtige Erweiterung einer vor allem an schriftlichen und oralen Traditionen, an Institutionen und Gruppen, Experten und Virtuosen interessierten Religionswissenschaft gesehen.

 

Universität Bayreuth -