Die unsichtbare Religion in der sichtbaren Religion

Leitung

Prof. Chr. Bochinger (Religionswissenschaft II, Bayreuth)
Prof. O. Fuchs (Kath. Pastoraltheol., Tübingen)
Prof. W. Gebhardt, (Soziologie, Koblenz)
Prof. W. Schoberth (Systematische Theologie, Erlangen).

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Dr. Jeannett Martin, Dr. Johannes Först, Dr. Martin Engelbrecht

Projektbeschreibung

Am Beispiel des Raumes Oberfranken wurde die Suche vieler Christen nach neuen Quellen der Frömmigkeit und Spiritualität zwischen kirchlichen und außerkirchlichen religiösen Angeboten untersucht. Über die inneren und äußeren Strukturen der Suchenden hinaus stand im Zentrum der Analyse die Frage, was die Attraktivität der genutzten Angebote ausmacht, und warum Menschen bestimmten anderen Angeboten den Rücken kehren. Wir stießen auf eine unerwartete Vielfalt von Aktivitäten und Angeboten in und außerhalb der Kirchen und auf eine reich gegliederte und kleinräumig strukturierte kirchliche Landschaft. In beiden Konfessionen konnten wir bestimmte typische Umgangsweisen der Mitglieder mit ihrer eigenen Kirche und den außerkirchlichen Möglichkeiten identifizieren.

Ebene der sozialen Organisation: Wir erforschten die sozialen Netze und Szenen, die die suchenden Menschen nutzen und ihre Zusammenhänge mit kirchlichen und gemeindlichen Strukturen. Wir nahmen wahr, dass sich um bestimmte Phänomene wie z.B. sakraler Tanz, aber auch Meditations- und Therapierichtungen Szenen bilden. Wissen und Erfahrungen aus diesen Szenen werden von einzelnen über verschiedene Stationen in den kirchlichen Raum hinein weitergegeben. Dabei gibt es viele Abstufungen und Formen der Ausrichtung und der Intensität des Interesses, die genau zu bestimmen zu den Aufgaben der zweiten Projekthälfte gehört.

Inhaltlichen Ebene: Wir untersuchten die Bedürfnisse und Ziele dieser Sucher und das Bild, das sie von ihrer Kirche mitbringen. Die Aufgabe, das Neue und das Mitgebrachte zu einander in Beziehung zu setzen, lösen sie auf den ersten Blick sehr unterschiedlich. Bei genauerer Betrachtung konnten wir jedoch eine Reihe von Übereinstimmungen identifizieren. Ein Schlüsselunterschied liegt in der inneren Haltung zu der eigenen Herkunftskirche. Eine Gruppe primär katholischer Kirchenmitglieder zeigte bei starker Kirchenkritik gleichzeitig eine hohe Bindung an die eigene Kirche und ein intensives Engagement in ihr. Eine zweite Gruppe, die sich in beiden Konfessionen findet, weist eine weit stärke innere Distanzierung zu ihrer Kirche auf und beschränkt binnenkirchliches Engagement auf die eigenen Interessensfelder

In qualitativen Interviews, in Gruppendiskussionen und unter Einsatz eines Fragebogens wurden Mitglieder der beiden großen Kirchen befragt.

Publikation: Christoph Bochinger, Winfried Gebhardt, Martin Engelbrecht: Die Selbstermächtigung des religiösen Subjekts. Der „spirituelle Wanderer“ als Idealtypus spätmoderner Religiosität, ZfR 13. Jg. 2005, Marburg: Diagonal-Verlag, 133-151.  

 

 

Universität Bayreuth -